HUMBUG DER WOCHE – CHILI UM 500 € PRO KILO

HUMBUG DER WOCHE – CHILI UM 500 € PRO KILO

„Kann man das eigentlich rauchen?“

 

Menschen, die unter hohem Risiko illegale Drogen wie Cannabis anbauen, könnten auf ein neues – legales – Geschäftsmodell umsteigen: Gewürzhandel in Österreich. Die Preise für Kräuter, Gemüse und Gewürze in diesem Land nähern sich immer mehr an die Marktpreise von illegalen Drogen an. In den heimischen Supermärkten werden seit langem frische Kräuter wie Basilikum, Minze oder Rosmarin zu einem einheitlichen Kilopreis von fast € 100.- verkauft (20g um € 1,99 = 1kg um € 99,50). Pfefferoni kann man meistens nur noch einzeln kaufen, zu einem Stückpreis von 49 Cent und selbst zur Hauptsaison kostet ein Stück Paprika übers Jahr unveränderte 99 Cent, während das anderswo dem Kilopreis entspricht.

Den Vogel schießt allerdings ein Produkt der Biomarke „Ja Natürlich“ ab: 6 Gramm Chiliflocken aus Österreich kosten € 2,99; auf ein Kilo hochgerechnet ergibt das einen Preis von € 498,33 für getrocknete Chilis mit Kernen. In der Türkei ist dieses Produkt unter dem Namen „Pul Biber“ weit verbreitet und kostet bei den zahlreichen türkischen Läden in Wien zwischen € 8.- und € 12.- pro Kilo!

Ja, ich weiß schon, bei „Ja Natürlich“ handelt es sich um österreichische Bio-Qualität und das Produkt wird von der „Österreichischen Bergkräutergenossenschaft“ produziert, der man durchaus mit Wertschätzung begegnen sollte, aber rechtfertigt das einen Preis, der um mehr als das fünfzigfache höher ist, als sonst üblich? Und wer kauft soetwas? Werden „echte“ Lebensmittel zum Luxus für Superreiche? Und warum sind gerade in Österreich viele Lebensmittel derartig teuer? – Eine einfache Antwort wäre, weil kaum ein anderes Land einen derart hohen Monopolisierungs-Grad hat wie Österreich. Die beiden Unternehmen Rewe und Spar teilen sich knapp 70 Prozent des gesamten Lebensmittelhandels in diesem Land. Rechnet man den Diskonter Hofer dazu, so werden 85% des Marktes von 3 Firmen kontrolliert.

Eine derartige Marktkonzentration gibt es in keinem anderen europäischen Land und es erstaunt nicht, dass der deutsche Konzern Rewe im vergleichsweise winzigen Österreich mehr als 60% seines Gesamtumsatzes erwirtschaftet. Tatsache ist, dass in allen Nachbarländern Lebensmittel und Drogerieartikel deutlich billiger sind. Bei Nahrungsmitteln lag Österreich schon 2014 um 24% über dem EU-Schnitt. Nur Dänemark war noch teurer.

Auch der Verdrängungs-Wettbewerb gegen kleine Anbieter ist nirgendwo sonst so weit fortgeschritten. Kleine Betriebe wie Bäckereien und Fleischhauer haben in Österreich absoluten Seltenheitswert und in vielen Gegenden gibt es sie überhaupt nicht mehr. Umso mehr muss man den zahlreichen Zuwanderern aus der Türkei, aus Vietnam, Thailand und China dankbar sein, ohne die unsere Märkte und der unabhängige Lebensmittelhandel längst komplett verschwunden wären. In deren Läden betragen die Preise in der Regel einen Bruchteil der Supermarktpreise, selbst bei Kräutern, die aus Bangkok eingeflogen werden. Wie geht das? – Vielleicht hat es damit zu tun, dass deren Klientel sich gut mit Lebensmitteln und dem Kochen auskennt und hohe Ansprüche an die Qualität hat, auch wenn es sich nicht um Luxusartikel handelt. Eine türkische, chinesische oder Italienische Mama würde ihrem Händler vermutlich eins mit dem Schirm überbraten, wenn er Pfefferoni einzeln um 50 Cent verkauft, oder getrockneten Chili, der hundertmal so teuer ist wie Schweinefleisch.

Aber jemand, der Hamburger aus Kobe-beef cool findet und 40 Euro für Parmesan bezahlt, der kann sich auch Chiliflocken um 500 Euro pro Kilo für sein Gulasch leisten!

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