Chinatown Complex Hawker Centre / Singapur

Chinatown Complex Hawker Centre / Singapur

Vielleicht die größte Fresshalle der Welt…

Unter einem hawker centre versteht man eine überdachte, meist seitlich offene Halle, in der zahlreiche kleine foodstalls gekochte Speisen und Getränke anbieten (das englische hawker bedeutet „Straßenhändler“, daher auch das deutsche „verhökern“. Man könnte auf Deutsch also auch „Hökerhalle“ sagen).  

In Singapur, Malaysien, Indonesien und Hongkong sind diese öffentlichen Einrichtungen allgegenwärtig und sehr beliebt bei allen Bevölkerungsschichten, denn sie sind billig, bieten eine riesige Auswahl, und meistens eine hervorragende Qualität. Für wenig Geld kann man dort in völlig unprätentiösem Rahmen ausgezeichnet essen.

Es sind Orte, wo die sonst so präsenten sozialen Unterschiede mit ihren Prestigesymbolen fast aufgelöst erscheinen. Von Obdachlosen, über Pensionisten, Arbeiter und Studenten, bis hin zu Managern und Anwälten finden sich hier alle ein, um unter Gleichen einfach und unkompliziert gut zu Essen.

Das größte von allen ist das chinatown complex hawker centre in Singapur.

Im ersten Stock des riesigen Chinatown-Complex befindet sich das größte hawker centre Singapurs.

Auf mehr als 10.000 Quadratmetern sind 226 foodstalls und tausende Sitzplätze untergebracht

Und Manches ist sehr, sehr gut – weit besser, als es in schicken Restaurants sein könnte, denn die Speisekonzepte sind durchwegs unverfälscht und oft meisterhaft gekocht. Kein Wunder, denn jeder Stand konzentriert sich im Grunde auf die Zubereitung einer einzigen Speise und das seit vielen Jahren, oft sogar seit Generationen.

Die unmittelbare Konkurrenz der anderen Stände bewirkt, dass alle versuchen ihr Bestes zu geben. Immense Erfahrung und Hingabe bringen mitunter kulinarische Kunstwerke hervor, bei denen kein „Haubenkoch“ mithalten kann. 

Das chinatown complex hawker centre in Singapur wurde sogar schon von der Redaktion des Guide Michelin entdeckt – 2016 wurde erstmals einer der winzigen Foodstalls mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet: Hawker Chan nennt sich der Stand, der – zu Preisen von ein bis zwei Euro – Huhn oder Schweinebauch mit Reis oder Nudeln anbietet.  „Die Fähigkeit, aus einfachen Dingen außergewöhnliche Produkte zu kreieren, ist eine Kunst“, begründete Michael Ellis, der internationale Direktor des Guide Michelin, die Entscheidung. 

Die Inhaber Chan Hon Meng und seine Frau Irene betreiben nach wie vor ihren winzigen Foodstall, der wie alle 226 Stände knapp 3 mal 3 Meter misst. Keiner ist größer und keiner betreibt mehr als einen Stand. Marktkonzentration, wie auf unseren heimischen Märkten, gibt es hier nicht.

Jeden Tag warten die Kunden bis zu drei Stunden geduldig in der Schlange, um eine Portion von Chan’s  legendärem Hong Kong Soya Sauce Chicken zu ergattern. Trotz der immensen Nachfrage und Medienpräsenz – Chan ist heute ein international gefeierter Medienstar, der alle Augenblicke im Fernsehen zu sehen ist – sind die Preise bis heute gleich geblieben.

Die Menge der wartenden Menschen ist hier generell ein untrügliches Zeichen für die Qualität der angebotenen Speisen. So erkennt auch jeder Neuling sofort, wo es das beste Essen gibt.

Der berühmteste Stand im Chinatown Complex

Herr Chan Hon Meng

Doch Herr Chan ist auch ein tüchtiger Geschäftsmann und hat inzwischen außerhalb des complex ein schickes, klimatisiertes Restaurant in der smith street eröffnet, wo die gleichen Speisen zu etwas höheren Preisen angeboten werden. Auch in Bangkok, Pattaya und sogar im australischen Melbourne gibt es inzwischen Filialen von Hawker Chan

Die legendären Hühner werden in einer Geheimmischung auf Sojasauce-Basis langsam geköchelt.

 

Was die Kochgenossen im Chinatown Complex essen:

 

  • Sojasauce-Hühnchen – Chan’s Soyasauce Chicken ist tatsächlich außergewöhnlich köstlich. Die hauchdünne Haut hat fast die Farbe von Schokolade und das schneeweiße Fleisch ist so saftig und zart, dass man es buchstäblich mit der Zunge am Gaumen zerdrücken kann. Selbst ein großes Stück von der Brust! Nie haben wir ein besseres Huhn gegessen! Chan macht aus einem Huhn ein Kunstwerk. Kommt klassisch nur mit Reis und ein paar gerösteten Bohnen.

  • Schweinebauch – Verdammt, wie machen das die Chinesen, dass sie einen Schweinebauch so hinbekommen: mürb, fast zart, saftig und gar nicht fettig, mit einer dünnen, knuspigen, fast leichten Kruste! Dazu ein intensives aber fein ausbalanciertes Aroma, immer ein bisschen süß und duftend, niemals derb. Schon seit Jahren beschäftigen wir uns mit dem eher schwierigen Produkt Schweinebauch und den zahlreichen Kochtechniken aus verschiedenen Kulturen, vom heimischen Ofenbratl über japanische und chinesische Schmortechniken, koreanische Beiz- und Grillmethoden, bis hin zur Sous-vide-Technik. Aber soetwas wie hier haben wir nie erreicht. Diese Kochtechnik zu entschlüssseln, sehen wir als Aufgabe und sind für alle Tipps und Ezzes dankbar.

  • Ente – Gleiches wie beim Schweinebauch gilt auch für die Ente. Warum gibt es soetwas in Europa nicht? Niemals haben wir ausserhalb Asiens Vergleichbares gegessen: zart, weich und überaus saftig. Nichts Trockenes, Fasriges oder Zähes. Diese Enten zergehen auf der Zunge, wie man so sagt.

  • Teigtaschen – Dutzende Stände bieten eine riesige Auswahl von ganz frisch zubereiteten Teigtaschen aller Art: gekocht, gedämpft oder angebraten, in köstlichen Suppen, mit unterschiedlichen kleinen Sossen, wie dunkler Reisessig, Soja- und Chilisauce – Und mit eingelegtem Ingwer. Hier wird prinzipiell mit den Händen gearbeitet; mit äußerst geschickten Händen, in denen kleine Kunstwerke entstehen. 

  • Große Suppen – Was gibt es schöneres, als schon zum Frühstück eine große, dampfende Schüssel mit einer chinesischen Nudelsuppe vor sich am Tisch stehen zu haben! Wir verstehen die Chinesen. Es ist wie ein warmes Vollbad, in das man gleichsam behaglich hineintaucht, um die vielen sensorischen Reize noch halb dösend zu genießen: rutschig glatte Nudeln, duftende Suppe, zarte Shrimps oder Fleischstückchen, frisches Grün und eine warme Grundschärfe von Gewürzen wie Ingwer, Sternanis und Chili, die den erwachenden Kreislauf auf Trab bringen.

  • Gedämpfter Reisteig – Mollig weich und schutzig-rutschig-glitschig – der sanfteste Teig von allen! Mit süßen Bohnenpasten und Sesam zum Frühstück. Oder als chee cheong fun mit einem Hauch von Schweinefleisch und Shrimps.

  • Fruchtshakes – Singapur liegt ganz nahe am Äquator: da gibt es eine Menge tropischer Früchte von ausgezeichneter Qualität: Mango, Papaya, Ananas, exotische Zitrusfrüchte, Zuckerrohr und frische Kokosnüsse. Mit viel Eis und etwas Kondensmilch werden hier köstliche Shakes gemixt.

 

Chinatown complex hawker centre

335 Smith Street, Chinatown Complex | Chinatown, Singapore 050335
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Der Suppenstand von Koh Lipe

Ein kleiner Suppenstand als himmlische Oase in einer Wüste der schlechten Tourismusküche. Es ist schon ein Wahnsinn, wie eine ärmlichen Bude, all die luxuriösen Restaurants in den Schatten stellt!

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